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Kreuzbild von Arnulf Rainer - Foto: Priesterseminar

Das Kreuzbild von Arnulf Rainer

In der Kunst des 20. Jahrhunderts wird Christus vielfach zum geknechteten und leidenden Menschen. Er wird in die Gräuel dieses Jahrhunderts hinein verwoben. Oder er entzieht sich - wie in den Kreuzbildern von Arnulf Rainer (*1929).

Der Künstler malt Vorhänge vor das unsagbare Geheimnis, hat der Wiener Künstlerseelsorger Otto Mauer über die frühen bilder von Rainer gesagt. Darin überdekcen dicke Farbschichten dahinter Liegendes. Das Vordringen zum Einen hinter dem Vielen und Zufälligen und der Versuch der Bildberuhigung durch monochrome Farbschichten lassen die jahrzehntelange Beschäftigung des Künstlers mit dem Kreuz als Parallelbewegung zu mystischen Versuchen und Erfahrungen einer Simone Weil oder eines Johannes vom Kreuz erscheinen. Mit beiden hat sich Rainer intensiv auseinandergesetzt.

Im "Braunkreuz" in der Kapelle des Grazer Priesterseminars sind die dicken Farbeschichten früherer Bilder luzideren Spuren gewichen. Sie vermügen den Bildraum in weite Fernen zu öffnen. Eine braune Form im Vordergrund bringt lebensvolle Dynamik auf die Bildfläche. Gestische Spuren künden nicht nur vom Ausgespanntsein am Kreuzesholz, sondern vom Versuch des Künstlers, willentlich und kontrolliert gesetzte Pinselstriche in andere Dimensionen und Tiefenschichten zu übersteigern.

Im unteren Bildteil lässt Rainer die Farbe selbst ihre Spuren ziehen und nach unten rinnen. "Beim Jüngsten Gericht" werden einzig die Tränen in die Waagschale geworfen", schreibt der radikale Skeptiker Emile Cioran, von dessen Lyrik und Aphorismen sich der Künstler immer wieder inspirieren ließ.

Text von Alois Kölbl, in: Kaindl H., Kölbl A. (Hg.), Auf Christus schauen, Christusbilder in steirischen Kirchen, Verlag Diözesanmuseum Graz, Graz 2010, Seite 68.

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